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10.10.2015
 

Prof. Dr. Rudolf Wachter
Rechtschreibgeplauder
In memoriam Peter Zbinden

In den im Sommer erschienenen „Mitteilungen Nr1 1/2015 des Sprachkreises Deutsch“ sind zwei Beiträge „in memoriam Peter Zbinden“ erschienen; Zbinden war langjähriger Präsident des Sprachkreises Deutsch und Kopräsident der Schweizer Orthographischen Konferenz (SOK). Mit freundlicher Genehmigung der Herausgeber geben wir diese Texte hier wieder.

DAVID: Du, wir haben doch letzthin über die Reformgrossschreibung in präpositionalen Ausdrücken gelästert.
Da ist mir nachher etwas Erfreuliches aufgefallen: Die Reformer haben immerhin die Kleinschreibung bei «Damit fährst du am besten» usw. nicht angetastet. Dieses «am besten» ist ja der Superlativ von «gut» und «besser», und diese sind allesamt Adverbien: «Wie fährst du damit?» – «Damit fahre ich gut, besser, am besten!»
LEA: Ja, und genau mit derselben Erklärung haben die Reformer seinerzeit auch die Kleinschreibung von «aufs beste», «aufs schönste» nicht ganz zu verbieten gewagt, nämlich weil sich dies mit «wie?» erfragen lässt. So steht das in Dudens Regel 75.
DAVID: Ach, wirklich? Aber mein Schweizer Schülerduden (2015) sagt, man müsse hier gross schreiben.
LEA: Ja, wogegen die Schüler in Deutschland und Österreich hier auch klein schreiben dürfen! Die Autoren des Schweizer Büchleins sind seit jeher einseitig reformlastig und propagieren, wo sie können, ihre Grossschreibungen. Aber die Reformer haben längst ihren verdienten Lohn: Schau nur ins Internet, wie oft dort «am besten», «am schönsten», «am schnellsten» usw. gross geschrieben wird! Das ist klar eine Folge der Reform! – Nun pass aber auf: Wie schreibst du «besser» in der Wendung «Damit steht es auch nicht viel besser»?
DAVID: Klein natürlich! Man fragt ja auch: «Wie steht es damit?»
LEA: Genau! Und nun setz auch hier einmal «besser» in den Superlativ!
DAVID: Kein Problem! Das heisst dann: «Damit steht es auch nicht zum besten».
LEA: Und wie schreibst du «zum besten»?
DAVID: Na, klein natürlich!
LEA: Pech gehabt! Die Reformer haben bestimmt, dass wir hier gross schreiben müssen, auch in Deutschland und Österreich.
DAVID: Ja, geht’s denen noch? Das ist ja komplett unlogisch!
LEA: Es wäre unhflich, dir zu widersprechen! – Aber im folgenden Satz bist du mit der Grossschreibung sicher einverstanden: «Das gehört zum Besten, was er geschrieben hat».
DAVID: Klar, hier ist «das Beste» ein substantiviertes Adjektiv und heisst etwa so viel wie «die schönsten Werke».
LEA: Eben! Deshalb wurde dies auch schon immer gross geschrieben. Aber jetzt hör zu! Mit just dieser Begründung haben die Reformer bestimmt, dass du «Es steht nicht zum besten» fortan gross schreiben musst. Es sei eine Substantivierung! Und genauso auch in: «Die haben ja wieder einen schönen Unsinn zum besten gegeben»!
DAVID: Wie bitte? Hier auch? Die sind ja meschugge! Zum besten «Wer» oder «Was» haben sie ihren Unsinn denn gegeben? Das sind doch keine Substantivierungen!
LEA: Ja, siehst du! Die haben uns schön «zum besten gehalten», nicht wahr?
DAVID: Wie? Auch hier muss man heute gross schreiben? (Seufzt.) Also, das sage ich dir: Diese Reform war wirklich kein Ruhmesblatt, weder für die Politik noch für die Wissenschaft, und das ist noch viel zu höflich ausgedrückt. Wie klug und einfach – und modern! – ist doch die herkömmliche Kleinschreibung in diesen Fällen!
LEA: Jaja, und in vielen anderen ebenfalls!
DAVID: Ich werde meiner Lebtag nur die echte Substantivierung gross schreiben, aber «Es steht nicht zum besten», «Sie hielt ihn zum besten», «Er gab lauter Unsinn zum besten» schreibe ich klein, Punkt!
LEA: Ganz deiner Meinung. Auch ich kann nur sagen: Pfui Täufel!
DAVID: Schlaumeier! Ich weiss, was du sagen willst: Den haben die ollen Reformer verpasst, was?
LEA: Haargenau, denn genauso, wie Quäntchen von Quantum kommt, kommt der Täufel doch von der Taufe, nicht?
DAVID: Haha, ja! Nämlich wie genau kommt er davon? – Nicht im geringsten!

SOK rw 2.6.2015


Quelle: Mitteilungen des „Sprachkreises Deutsch“
Link: http://sprachkreis-deutsch.ch/2015/07/23/mitteilungen-i-2015/


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